Top Anwalt 2027 – Dr. Jesko Baumhöfener
Top Anwalt Siegel
ProvenExpert Bewertungssiegel
ThreeBestRated Siegel – Strafverteidiger Hamburg
Einstellung im Strafverfahren
Haben Sie Fragen zum Thema Einstellung im Strafverfahren? Kontaktieren Sie uns gerne telefonisch unter 040 38 65 23 44 oder per E-Mail an: info@strafverteidigung-hamburg.com

„Das Ermittlungsverfahren wird eingestellt.“ Auf diesen Satz warten Betroffene oft wochen- oder monatelang. Wer Post von der Polizei erhalten hat oder von einer Strafanzeige erfährt, sieht sich als Beschuldigter häufig schon vor Gericht. Dabei endet die Mehrheit der Ermittlungsverfahren in Deutschland ohne Anklage und ohne Verurteilung: 2024 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 60 Prozent eingestellt. Die Verfahrenseinstellung ist kein Gnadenakt, sondern in vielen Konstellationen die gesetzlich vorgesehene Lösung. Die Strafprozessordnung bietet dafür mehrere Möglichkeiten.

Ob es so weit kommt, zeigt sich meist in einem frühen Stadium. Was Sie gegenüber den Ermittlungsbehörden sagen oder eben nicht sagen, prägt die Aktenlage. Und die Aktenlage bestimmt, wie Ihr Fall endet. Wer früh einen erfahrenen Strafverteidiger in Hamburg einschaltet, kann diese Weichen bewusst stellen. Dieser Beitrag richtet sich an Beschuldigte und ihre Angehörigen. Er gibt Ihnen die wichtigsten Informationen aus Sicht der Verteidigung und damit mehr Sicherheit für die nächsten Schritte.

Was bedeutet die Einstellung des Verfahrens?

Mit der Einstellung des Verfahrens legt die Staatsanwaltschaft oder, nach Anklageerhebung, das Gericht fest, dass ein Strafverfahren nicht weitergeführt wird. Es gibt keine Anklage, keine Hauptverhandlung und keine Strafe. Für Sie heißt das: keine Eintragung im Bundeszentralregister, keine Vorstrafe. Die Unschuldsvermutung gilt fort.

Eine einheitliche Regelung gibt es allerdings nicht. Es existieren mehrere Einstellungsmöglichkeiten, die sich in Voraussetzungen und Konsequenzen deutlich unterscheiden. Manche schließen eine spätere Verfolgung derselben Tat aus, andere nicht. Manche kosten Sie Geld, andere nicht. Wer einen Bescheid in der Hand hält oder ein Einstellungsangebot erhält, sollte deshalb wissen, welche Norm dahintersteht und welche Chancen sie für die Zukunft eröffnet.

Den Rahmen bildet ein Grundsatz des deutschen Strafprozesses: Die Strafverfolgungsbehörden müssen bei einem Anfangsverdacht ermitteln (Legalitätsprinzip). Das Opportunitätsprinzip lockert diese Pflicht. Es erlaubt Einstellungen aus Opportunitätsgründen, wenn eine Bestrafung im Einzelfall unverhältnismäßig wäre. Die meisten dieser Möglichkeiten finden sich in den §§ 153 ff. StPO.

Die Einstellungsarten im Überblick

Welche Form in Ihrem Fall erreichbar ist, hängt vor allem von den Beweisen und vom Gewicht des Vorwurfs ab. Die Tabelle gibt eine Übersicht über die wichtigsten Varianten.

Rechtsgrundlage Wann? Wer muss zustimmen? Was bleibt?
§ 170 Abs. 2 StPO Kein hinreichender Tatverdacht oder ein Verfahrenshindernis Niemand Keine Leistung; Fortsetzung bei neuen Erkenntnissen möglich
§ 153 StPO Bagatellvorwurf, kein Bedürfnis für eine Bestrafung Meist das Gericht, mit Ausnahmen Keine Leistung, kein Schuldeingeständnis
§ 153a StPO Eine Gegenleistung genügt, um das Strafbedürfnis zu beseitigen Sie selbst und meist das Gericht Leistung erbringen; danach Strafklageverbrauch
§ 154 StPO Ein Vorwurf fällt neben anderen kaum auf Vor Anklageerhebung niemand Wiederaufnahme möglich
§ 31a BtMG, § 35a KCanG Geringe Menge zum Eigenverbrauch Vor Anklageerhebung niemand Keine Leistung
§§ 45, 47 JGG Junge Beschuldigte, wenn eine erzieherische Reaktion reicht Je nach Stufe Vermerk im Erziehungsregister

Einstellung mangels hinreichenden Tatverdachts (§ 170 Abs. 2 StPO)

Zum Abschluss der Ermittlungen prüft die Staatsanwaltschaft eine einzige Frage: Reicht das, was in der Akte steht, für eine Anklage? Maßstab ist der hinreichende Tatverdacht. Er liegt vor, wenn eine Verurteilung nach vorläufiger Bewertung wahrscheinlicher ist als ein Freispruch. Fehlt diese Verurteilungswahrscheinlichkeit, muss eingestellt werden. Ein Ermessen gibt es hier nicht: Liegen die Voraussetzungen vor, haben Beschuldigte einen Anspruch auf die Einstellung mangels hinreichenden Tatverdachts.

Die Gründe dafür sind vielfältig. In der Rechtsprechung und in der Praxis begegnen vor allem folgende Fälle:

  • Die Beweislage trägt den Vorwurf nicht, etwa weil Aussage gegen Aussage steht und weitere Indizien fehlen.
  • Ein Beweismittel ist unverwertbar, beispielsweise nach einer rechtswidrigen Durchsuchung.
  • Das Verhalten erfüllt keinen Tatbestand einer Straftat oder war gerechtfertigt, etwa durch Notwehr.
  • Es gibt Verfahrenshindernisse wie Verjährung oder einen fehlenden Strafantrag.
  • Die Person des Täters lässt sich nicht ermitteln.

Wer nach einer Auseinandersetzung vor einer Bar beschuldigt wird, obwohl er nur einen Angriff abgewehrt hat, gehört genau in diese Gruppe. Gelingt es, die Notwehrlage anhand von Zeugen oder Videoaufnahmen aufzuzeigen, bleibt für eine Anklage wegen Körperverletzung kein Raum. Viele Strafverteidiger nennen die Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO deshalb den „Königsweg“: Sie kostet nichts und bedeutet, dass sich der Verdacht nicht erhärtet hat.

Einstellungsbescheid: Wer erhält eine Nachricht?

Sie als Beschuldigter werden nicht in jedem Fall informiert. Eine Mitteilung erhalten Sie, wenn Sie vernommen wurden, es zum Erlass eines Haftbefehls gekommen war, Sie um Benachrichtigung gebeten haben oder ein besonderer Anlass dafür besteht. Ist ein Anwalt für Sie tätig, geht das Schreiben an dessen Kanzlei.

Der Anzeigeerstatter erhält dagegen einen förmlichen Bescheid mit Einstellungsbegründung (§ 171 StPO). Darin nennt die Staatsanwaltschaft die Gründe für ihre Entscheidung. Ist er zugleich Verletzter, kann er binnen zwei Wochen Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft einlegen. Bleibt diese ohne Erfolg, steht ihm innerhalb eines Monats das Klageerzwingungsverfahren offen (§ 172 StPO).

Kann das Verfahren wieder aufgenommen werden?

Ja. Diese Form bewirkt keinen Strafklageverbrauch und erwächst nicht in Rechtskraft. Tauchen neue Erkenntnisse auf, darf bis zur Verjährung weiter ermittelt werden. In der Praxis geschieht das selten, ausgeschlossen ist es aber nicht.

Dr. Baumhöfener // Rechtsanwalt & Fachanwalt für Strafrecht Hamburg

Einstellung wegen Geringfügigkeit (§ 153 StPO)

Manchmal steht der Vorwurf durchaus im Raum, eine Bestrafung erscheint aber unangemessen. Für den Bereich der Bagatelle sieht § 153 StPO eine eigene Lösung vor. Drei Kriterien müssen erfüllt sein:

  1. Es geht um ein Vergehen, also eine Straftat mit einer Mindeststrafe unter einem Jahr Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe. Dazu zählen z. B. Diebstahl, Betrug, Beleidigung oder die einfache Körperverletzung.
  2. Die Schuld des Täters wäre als gering anzusehen. Ein Nachweis ist dafür nicht nötig. Es genügt die Prognose, dass die Tat deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Fälle läge, falls sie sich beweisen ließe.
  3. Ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung besteht nicht.

Eine typische Konstellation: Eine Studentin steckt im Supermarkt eine Packung Kaugummi ein, ist bisher nie aufgefallen und zeigt sich einsichtig. In einem solchen Fall endet das Verfahren häufig ohne Zahlung und ohne Gerichtsverhandlung. Wer dagegen schon mehrfach wegen Diebstahls aufgefallen ist, kann kaum damit rechnen.

Bei Geringfügigkeit braucht die Staatsanwaltschaft für die Einstellung des Verfahrens grundsätzlich die Zustimmung des Gerichts (§ 153 Abs. 1 StPO). Bei Taten ohne erhöhte Mindeststrafe und mit geringen Tatfolgen entfällt dieses Erfordernis. Nach Anklageerhebung kann das Gericht selbst einstellen, wenn Staatsanwaltschaft und Angeschuldigter einverstanden sind (§ 153 Abs. 2 StPO).

Einstellung gegen Geldauflage (§ 153a StPO)

Spricht die Beweislage nicht eindeutig für Sie, spielt § 153a StPO in der Praxis die größte Rolle. Die Idee dahinter: Das Verfahren endet, wenn Sie eine Leistung erbringen, die das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung entfallen lässt. Anders als bei der Geringfügigkeitseinstellung kommt diese Lösung auch bei Vorwürfen von mittlerem Gewicht in Betracht, solange die Schwere der Schuld nicht entgegensteht. Vorausgesetzt ist auch hier, dass es nicht um ein Verbrechen geht.

Verbreitet ist diese Verfahrenseinstellung im Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, bei Verkehrsdelikten und bei Ersttätern mit überschaubarem Schaden. Mehr dazu finden Sie unter Steuerstrafrecht in Hamburg.

Welche Auflagen sind möglich?

Das Gesetz nennt unter anderem:

  • einen Geldbetrag zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung oder der Staatskasse (das ist der Regelfall)
  • die Wiedergutmachung des Schadens
  • gemeinnützige Arbeit
  • das ernsthafte Bemühen um einen Täter-Opfer-Ausgleich
  • einen sozialen Trainingskurs oder ein Fahreignungsseminar
  • seit Oktober 2023 auch eine Therapieweisung, etwa eine psychotherapeutische Behandlung

Für die Erfüllung gilt eine Frist von höchstens sechs Monaten. Bei Unterhaltsleistungen, Trainingskurs und Therapie sind es bis zu einem Jahr. Eine einmalige Verlängerung um drei Monate ist möglich.

Zustimmung: Ihre Entscheidung

Ohne Ihr Einverständnis gibt es keine Einstellung nach dieser Norm. Meist muss auch das Gericht zustimmen; bei weniger gewichtigen Taten mit geringen Folgen entfällt das. Nach Anklageerhebung kann das Gericht selbst einstellen (§ 153a Abs. 2 StPO), und zwar bis in die letzte Instanz, in der noch Tatsachen festgestellt werden.

Wie hoch ist der Geldbetrag?

Eine feste Tabelle gibt es nicht. Die Höhe richtet sich nach dem Vorwurf und nach Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen, oft mit Berücksichtigung etwaiger Milderungsgründe. Genau hier liegt Verhandlungsspielraum. Ein Strafverteidiger mit Erfahrung, der die Ermittlungsakte kennt und deren Schwächen aufzeigt, kann einen niedrigeren Betrag erreichen. Manchmal überzeugt er die Staatsanwaltschaft sogar davon, dass ein Abschluss ohne jede Gegenleistung angemessen ist.

Was passiert, wenn Sie die Auflage erfüllt haben?

Mit vollständiger Erfüllung wird das Verfahren endgültig eingestellt. Die Tat kann dann nicht mehr als Vergehen verfolgt werden. Juristen sprechen von einem beschränkten Strafklageverbrauch: Das Verbot der Doppelbestrafung schützt Sie. Erfüllen Sie nicht, geht das Verfahren weiter, und bereits gezahlte Beträge werden nicht erstattet. Während der Frist ruht die Verjährung.

Häufiger Irrtum: „Wer zahlt, gibt die Tat zu“

Das stimmt nicht. Die Einstellung gegen Auflage enthält keine Schuldfeststellung, und Ihre Zustimmung ist rechtlich kein Eingeständnis. Sie bleiben unbestraft und gelten nicht als vorbestraft. Trotzdem sollten Sie ein solches Angebot nicht reflexartig annehmen. Ist die Beweislage dünn, kann eine Einstellung mangels Tatverdachts erreichbar sein. Und die kostet Sie keinen Cent.

Weitere Formen der Verfahrensbeendigung

Teileinstellung nach § 154 StPO

Werden Ihnen mehrere Taten vorgeworfen, kann die Staatsanwaltschaft einen Teil davon ausklammern, wenn sie neben der zu erwartenden Strafe für die übrigen nicht wesentlich zählen. Das verschlankt das Verfahren, ist aber keine endgültige Lösung. Die ausgeklammerten Vorwürfe lassen sich unter bestimmten Umständen wieder aufgreifen. Eng verwandt ist die Beschränkung der Verfolgung auf einzelne Gesetzesverletzungen nach § 154a StPO.

Betäubungsmittel und Cannabis

Bei Betäubungsmitteln in geringer Menge zum Eigenverbrauch kann von der Verfolgung abgesehen werden (§ 31a BtMG). Für Cannabis gilt seit April 2024 das Konsumcannabisgesetz. Es enthält mit § 35a KCanG eine eigene Vorschrift für Fälle, in denen die erlaubten Mengen überschritten sind, die Droge aber nur dem Eigenverbrauch dient. Mehr dazu unter Betäubungsmittelstrafrecht.

Verfahrenshindernisse und Privatklage

Fällt ein Verfahrenshindernis erst nach Erhebung der Anklage auf, stellt das Gericht durch Beschluss (§ 206a StPO) oder im Urteil ein. Bei Privatklagedelikten wie Beleidigung oder Hausfriedensbruch lehnt die Staatsanwaltschaft die Verfolgung häufig ab und verweist den Anzeigenerstatter auf den Weg der Privatklage.

Besonderheiten im Jugendstrafverfahren (§§ 45 und 47 JGG)

Bei Jugendlichen soll das Verfahren erziehen, nicht stigmatisieren. Das Jugendstrafrecht setzt deshalb auf Diversion, also auf die Erledigung ohne förmliches Urteil. § 45 JGG kennt drei Stufen:

  • Absehen von der Verfolgung unter den Voraussetzungen des § 153 StPO (Absatz 1)
  • Absehen, wenn eine erzieherische Maßnahme bereits durchgeführt oder eingeleitet ist, etwa durch Eltern, Schule oder Jugendamt (Absatz 2)
  • ein formloses Erziehungsverfahren beim Jugendrichter, der Ermahnungen, Weisungen oder Auflagen aussprechen kann; Voraussetzung ist ein Geständnis (Absatz 3)

Nach Anklageerhebung kann der Jugendrichter nach § 47 JGG einstellen. Anders als bei Erwachsenen wird diese Erledigung im Erziehungsregister vermerkt. Im Führungszeugnis erscheint sie nicht, und der Vermerk wird grundsätzlich mit Vollendung des 24. Lebensjahres entfernt. Wie wir junge Mandanten begleiten, lesen Sie unter Jugendstrafrecht in Hamburg.

Welche Folgen hat eine Einstellung?

Die gute Nachricht vorweg: Sie sind nicht vorbestraft. Trotzdem lohnt ein genauer Blick, denn die Rechtsfolgen unterscheiden sich je nach Art der Einstellung.

Führungszeugnis und interne Speicherung

Eine Eintragung ins Zentralregister erfolgt nicht, das Führungszeugnis bleibt also sauber. Die Ausnahme bilden Jugendverfahren mit ihrem Erziehungsregister. Die Justiz speichert das Verfahren allerdings im länderübergreifenden staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister, auf das nur Strafverfolgungsbehörden zugreifen. In einem künftigen Verfahren kann eine frühere Einstellung deshalb bekannt sein und die Bereitschaft zu einer erneuten senken.

Kosten: Wer trägt die Anwaltskosten?

Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse. Anders sieht es bei Ihren eigenen Auslagen aus, also vor allem beim Honorar Ihres Verteidigers: Endet das Ermittlungsverfahren ohne Anklage, sieht das Gesetz keine Erstattung vor, selbst bei fehlendem Tatverdacht. Bei einer Einstellung nach § 153a StPO ist die Erstattung ausdrücklich ausgeschlossen (§ 467 Abs. 5 StPO). Wurden gegen Sie Ermittlungsmaßnahmen wie Durchsuchung, vorläufige Festnahme oder Untersuchungshaft vollzogen, kann nach dem Strafrechtsentschädigungsgesetz ein Ausgleich in Betracht kommen.

Berufliche und verwaltungsrechtliche Konsequenzen

Eine Einstellung ist kein Freispruch. Behörden außerhalb der Strafjustiz dürfen den Sachverhalt eigenständig bewerten. Bei Beamten kann ein Disziplinarverfahren folgen, bei Ärzten prüft die Approbationsbehörde, und im Waffenrecht droht womöglich der Widerruf eines Waffenscheins wegen Unzuverlässigkeit. Auch eine Gewerbeuntersagung oder der Entzug einer Erlaubnis ist denkbar. Wer in einem solchen Beruf tätig ist, sollte die Verteidigung von Anfang an darauf ausrichten.

Auf einen Blick: Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • keine Verurteilung, keine Vorstrafe, kein Eintrag im Führungszeugnis
  • keine öffentliche Hauptverhandlung
  • ein schnelles Ende von Stress und Belastung

Nachteile:

  • keine Rehabilitation wie bei einem Freispruch
  • eigene Anwaltskosten und gegebenenfalls eine Zahlung
  • interne Speicherung und mögliche berufliche Konsequenzen

Wie die Verteidigung auf eine Einstellung hinwirkt

Eine Verfahrenseinstellung ist häufig das Ergebnis gezielter Strafverteidigung. Die Verteidigungsstrategie folgt meist denselben Schritten:

  1. Schweigen. Sie haben das Recht, gegenüber der Polizei keine Angaben zu machen. Als Beschuldigter müssen Sie zu einer polizeilichen Vorladung nicht erscheinen.
  2. Akteneinsicht. Ihr Anwalt fordert die Ermittlungsakte an (§ 147 StPO) und erfährt so, worauf sich der Verdacht stützt.
  3. Analyse. Er prüft die Beweise auf Widersprüche, Lücken und Verwertungsprobleme.
  4. Stellungnahme. Eine schriftliche Verteidigungsschrift mit klarer Argumentation und dem Antrag auf Einstellung des Verfahrens ist oft der entscheidende Hebel.
  5. Abstimmung. Kommt ein fehlender Tatverdacht nicht in Frage, verhandelt er mit dem zuständigen Staatsanwalt über die passende Rechtsgrundlage und die Höhe einer Zahlung.
  6. Prüfung. Jeder Vorschlag wird im Hinblick auf Ihre Situation bewertet, etwa auf Beruf, Waffenerlaubnis oder Aufenthaltsrecht.

Gelingt im Ermittlungsverfahren keine Einstellung, folgt ein Strafbefehl oder eine Anklageschrift. Gegen einen Strafbefehl können Sie Einspruch einlegen, und auch nach einer Anklage ist das letzte Wort nicht gesprochen: Im Zwischenverfahren und im Hauptverfahren bleibt eine Verfahrenseinstellung möglich, solange die Voraussetzungen vorliegen.

Sprungrevision

Wie sich ein Verfahren insgesamt entwickelt, zeigt der Beitrag zum Ablauf eines Strafverfahrens.

Ihr Strafverteidiger im Ermittlungsverfahren

Warum Dr. Jesko Baumhöfener?

Ob ein Ermittlungsverfahren eingestellt wird oder in eine Anklage mündet, entscheidet sich meist lange vor dem ersten Gerichtstermin. Dr. Jesko Baumhöfener ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht in Hamburg und verteidigt seit seiner Zulassung 2008 ausschließlich im Strafrecht, bundesweit und in Strafverfahren jeder Art und Größenordnung.

Ausschließlich Strafrecht seit 2008
Fachanwalt für Strafrecht in Hamburg
Verteidigung im Ermittlungsverfahren, von der Vorladung bis zur Einstellung
Promotion im Strafprozessrecht, wissenschaftlich tätig am Max-Planck-Institut
Lehrbeauftragter für Strafprozessrecht an der Universität Hamburg (2011 bis 2020)
Bundesweite Verteidigung in Strafverfahren jeder Art und Größenordnung
Worauf es nach der Vorladung ankommt

Keine Angaben zur Sache, bevor die Ermittlungsakte geprüft ist. Ob am Ende eine Einstellung mangels Tatverdachts, eine Einstellung gegen Auflage oder eine Anklage steht, hängt oft an dem, was in den ersten Wochen geschieht.

Ob eine Einstellung erreichbar ist, entscheidet sich an Details: an Widersprüchen in belastenden Aussagen, an Lücken in der Beweiskette, an der richtigen Einordnung Ihrer Situation. Genau dort setzt die Verteidigung an. Und genau deshalb sollte die Akte gelesen sein, bevor ein Wort zur Sache fällt. Wer früh einen erfahrenen Strafverteidiger an seiner Seite hat, verbessert seine Chancen auf eine Einstellung erheblich. Eine erste Beratung hilft Ihnen, die Situation realistisch einzuschätzen.

Jetzt beraten lassen
oder direkt anrufen: 040 38 65 23 44

Fazit

Die Einstellung des Strafverfahrens ist für Beschuldigte oft der beste erreichbare Ausgang. Die Unterschiede zwischen den Formen sind aber erheblich. Eine Einstellung mangels Tatverdachts kostet nichts und bedeutet, dass sich der Vorwurf nicht erhärtet hat. Eine Einstellung gegen Auflage endet ebenfalls ohne Vorstrafe, verlangt aber eine Gegenleistung. Welche Variante erreichbar ist, entscheidet sich selten erst zum Abschluss des Ermittlungsverfahrens, sondern meist in den ersten Wochen nach Einleitung der Ermittlungen.

Häufige Fragen: Einstellung Strafverfahren

Die Einstellung des Strafverfahrens bedeutet: Das Verfahren endet ohne Anklage und ohne Urteil. Sie werden nicht bestraft und gelten nicht als vorbestraft. Je nach Rechtsgrundlage kann das Verfahren endgültig erledigt sein oder bei neuen Erkenntnissen fortgesetzt werden.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts endeten 2024 rund 60 Prozent aller Ermittlungsverfahren mit einer Einstellung, meist mangels hinreichenden Tatverdachts oder wegen geringer Schuld. Nur in etwa sieben Prozent der Fälle wurde Anklage erhoben, in rund zehn Prozent ein Strafbefehl beantragt.

Ein Freispruch ergeht nach einer Hauptverhandlung und rehabilitiert Sie ausdrücklich. Eine Einstellung erspart Ihnen dagegen das öffentliche Verfahren, die Zeit und das Risiko einer Verurteilung. Im Ergebnis sind Sie in beiden Fällen nicht vorbestraft. Welcher Weg sinnvoller ist, hängt von der Beweislage ab.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Abschluss der Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht gesehen. Es gibt keine Gegenleistung, keine Anklage und keine Strafe. Fortgesetzt wird nur, wenn neue Tatsachen bekannt werden.

Wenn es um eine leichtere Straftat geht, Ihr Verschulden gering wäre und kein öffentliches Bedürfnis an einer Bestrafung besteht. Typisch sind Ersttäter mit geringem Schaden, die mit dem Delikt erstmals aufgefallen sind.

Ja, bei neuen Tatsachen oder Beweismitteln bis zur Verjährung. Nach einer erfüllten Auflage ist das dagegen nur noch eingeschränkt möglich.

Bildquellennachweise: KI – OpenAI I Chatgpt.com

Das könnte Sie auch interessieren